Der Lehrkräftetrichter: Analyse und Handlungsempfehlungen zur Sicherung der Lehrkräftebildung

Autor:innen

Lukas Antoine

Felix Süßenbach

Bettina Jorzik


Der Mangel an Lehrkräften hat weitreichende negative Auswirkungen auf die Qualität schulischer Bildung und die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler. Dies beeinträchtigt nicht nur die Chancengleichheit und Zukunftsperspektiven der jungen Generation, sondern stellt auch eine erhebliche Belastung für unsere Gesellschaft und Volkswirtschaft dar. Neben der Tatsache, dass zu wenige ein Lehramtsstudium beginnen, ist das größte Problem, dass zu viele potenzielle Lehrkräfte auf dem Weg in den Beruf ausscheiden. Der Lehrkräftetrichter zeigt, wie viele Personen sich an welchen Stationen der Lehrkräftebildung dazu entscheiden, die Lehramtsbildung aufzunehmen, fortzuführen oder abzubrechen. Dadurch werden insbesondere Schwundtendenzen sichtbar, die als Grundlage für bildungspolitische Maßnahmen dienen können (siehe auch unser begleitendes Policy-Paper „Der Lehrkräftetrichter – Länderausgabe“).

Die Forschungs- und Datenlage zum aktuellen Stand der Lehrkräftebildung ist noch begrenzt. Im Jahr 2023 veröffentlichte der Stifterverband daher erstmals den Lehrkräftetrichter, eine quantitative Übersicht zu allen Stationen der Lehrkräftebildung auf Bundesebene. Mit der hier dargestellten Analyse der Lehrkräftetrichter auf Bundeslandebene wollen wir nun detailliertere Erkenntnisse gewinnen und dabei die unterschiedlichen Vorgaben und Gegebenheiten der Bundesländer berücksichtigen. Einen besonderen Mehrwert liefern dabei bereinigte Daten, welche Rückschlüsse auf die tatsächliche Anzahl von Personen innerhalb der Lehrkräftebildung zulassen. Ohne diese Bereinigung würden Personen beispielsweise aufgrund eines Studiengangwechsels innerhalb des Lehramtsstudiums oder durch Mehrfachimmatrikulationen mehrfach gezählt werden (siehe Rohdaten).

Stationen der Lehrkräftebildung

Ein Lehramtsstudium wird bundeslandabhängig entweder als Bachelor/Master oder als Staatsexamen absolviert. Für die meisten Lehramtsabschlüsse liegt die Regelstudienzeit bei fünf Jahren. Darauf folgt ein Referendariat in den Schulen mit einer bundeslandabhängigen Dauer von ein bis zwei Jahren. Zu Beginn des Referendariats sind in einem Großteil der Bundesländer Quereinstiege von Studienabsolventinnen und -absolventen möglich, wenn sie ein unterrichtsrelevantes Studium ohne Lehramtsbezug absolviert haben. Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger werden – bei akuter Mangellage – direkt in den Schuldienst eingestellt und erhalten in der Regel berufsbegleitend eine pädagogisch-didaktische Nachschulung. Unter dieser Personengruppe werden alle in den Schuldienst unbefristet eingestellten Personen gefasst, die kein Referendariat abgeschlossen haben.

Lehrkräftetrichter der Bundesländer


1) Datenstand: Juni 2026. In wenigen Fällen liegen Daten des aktuellsten Jahres, die in die Trichterberechnung einfließen zur Zeit der Analyse noch nicht vor; sie werden daher geschätzt. Sobald diese Daten veröffentlicht wurden, werden die geschätzten Daten ersetzt, was zu kleinen Veränderungen führen kann. Weitere Details zur Methodik finden sich Weitere Details zur Methodik finden sich hier.

2) FS = Fachsemester, Sem. = Semester, StEx = Staatsexamen.

3) Bei denen im Lehrkräftetrichter dargestellten Daten handelt es sich um Durchschnittswerte aus den Jahren 2020 bis 2024. Es handelt sich somit um Querschnittsdaten. Alle Daten ab Beginn des Referendariats sind den Tabellenwerken der Kultusministerkonferenz entnommen, die übrigen Daten stammen vom statistischen Bundesamt, teilweise aus vom Stifterverband beauftragten Sonderauswertungen, teilweise aus der Haupt-Datenbank GENESIS. Die Zahlen der Studierenden wurden jeweils um diejenigen korrigiert, die doppelt in der Statistik auftauchen: 1. Fachwechslerinnen und -wechsler innerhalb des Lehramts, 2. Mehrfachimmatrikulierte zu Beginn und Mitte des Studiums und 3. Absolventinnen und Absolventen eines Ergänzungsstudium (d.h. bereits bestehender Lehramtsabschluss) zu Studienende. Zu den Studienanfängerinnen und -anfängern werden auch Studierende im ersten Fachsemester eines Mehr-Fächer-Bachelors mit Lehramtsoption gezählt. Nicht alle Daten liegen für alle Studienjahre vor: Die Anzahl der Fachwechslerinnen und Fachwechsler sowie der Mehrfachimmatrikulierten liegt nur für das Studienjahr 2022 vor. Der jeweilige Anteil an Studierenden zu Beginn und zu Mitte des Studiums für das Jahr 2022 wurde auf die anderen Jahre übertragen. Dasselbe gilt für den Anteil an Erweiterungsprüfungen an allen Lehramtsprüfungen. Weitere Details zur Methodik finden sich hier.

Die bereinigten Daten für die Jahre 2017 bis 2024 sind hier herunterladbar.

4) Fachwechsler: Damit sind Personen gemeint, die die Abschlussgruppe wechseln (z.B. vom Lehramt an Gymnasien auf Lehramt an Realschulen).

5) Beginn Referendariat: Lehramtsabsolvierende müssen nicht im Jahr ihres Abschlusses mit dem Referendariat beginnen. Insbesondere in den Jahren 2017 und 2018 gab es deutlich mehr Personen mit Lehramtsabschluss als zu Beginn des Referendariats (exklusive Quereinsteigende). Mit ihrem verzögerten Einstieg ins Referendariat könnten sie die erhöhte Zahl der angefangenen Referendariate im Vergleich zu Lehramtsabsolvierenden 2020-2024 erklären.

6) Neu eingestellte Lehrkräfte: Die Zahl bezieht sich auf „dauerhaft“ eingestellte Lehrkräfte. Als „dauerhaft“ sind in diesem Zusammenhang die unbefristete Beschäftigung sowie die befristete Beschäftigung mit Zusage auf dauerhafte Übernahme zu verstehen.

7) Aus Gründen der übersichtlichen Darstellung wurde in der Grafik die männliche Form verwendet, gemeint sind aber alle Geschlechter.


Analyse