Regionalanalyse bezeichnet die systematische Untersuchung räumlicher Strukturen, Entwicklungen und Disparitäten innerhalb eines abgegrenzten Gebiets. Gegenstand der Analyse sind territoriale Einheiten wie Staaten, Länder, Kreise/Bezirke oder Gemeinden. Im Zentrum steht die Frage, wie sich wirtschaftliche, soziale, demographische oder infrastrukturelle Merkmale räumlich verteilen und welche Muster, Unterschiede oder Zusammenhänge sich daraus ergeben.
Ziel der Regionalanalyse ist es, regionale Strukturen zu beschreiben, Unterschiede zwischen Regionen sichtbar zu machen und Entwicklungsprozesse zu erklären. Sie dient sowohl der wissenschaftlichen Erkenntnis als auch der politischen und planerischen Entscheidungsunterstützung. Typische Anwendungsfelder sind die Identifikation regionaler Disparitäten, die Analyse von Arbeitsmarkt- oder Wirtschaftsstrukturen, die Bewertung kommunaler Finanzlagen oder die Planung von Infrastruktur und öffentlichen Dienstleistungen. Methodisch stützt sich die Regionalanalyse häufig auf amtliche Sekundärdaten, Indikatorbildung und vergleichende Auswertungen auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen.
Deutschland und Österreich sind föderal organisierte Staaten. Föderalismus bedeutet, dass die staatliche Gewalt zwischen Bund und Ländern geteilt ist. Sowohl Bund als auch Länder üben Staatsgewalt aus, die sich in der Gesetzgebung (Legislative), der Verwaltung (Exekutive) und der Rechtsprechung (Judikative) manifestiert.
Der Bund ist Träger der gesamtstaatlichen Staatsgewalt. Er erlässt bundesweit geltende Gesetze in den ihm verfassungsrechtlich zugewiesenen Zuständigkeitsbereichen und ist insbesondere für gesamtstaatliche Aufgaben wie Außenpolitik, Verteidigung, Währungs- und Finanzordnung sowie zentrale Teile der Wirtschafts- und Sozialgesetzgebung verantwortlich.
Die Länder verfügen über eigene Staatsgewalt in ihren Kompetenzbereichen. Sie besitzen eigene Parlamente und Regierungen und sind unter anderem für Bereiche wie Bildung, Kultur, Teile der Verwaltung und – je nach Ausgestaltung – innere Sicherheit zuständig.
Die Gemeinden sind keine eigenständige staatliche Ebene. Sie besitzen jedoch eine verfassungsrechtlich garantierte politische, organisatorische und finanzielle Selbstverwaltung. Innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen nehmen sie lokale Angelegenheiten eigenverantwortlich wahr, verfügen jedoch nicht über originäre Staatsgewalt.
Zwischen Ländern und Gemeinden fungieren Bezirke (AT) bzw. Kreise und kreisfreie Städte (DE) als eine mittlere Verwaltungsebene. Diese Ebene ist keine eigenständige staatliche Ebene, sondern dient der regionalen Bündelung und Koordination von Verwaltungsaufgaben. Sie übernimmt insbesondere solche Aufgaben, die für einzelne Gemeinden zu umfangreich oder organisatorisch nicht effizient zu bewältigen wären, etwa in den Bereichen Sozialverwaltung, Gesundheitswesen, Regionalplanung, Schulverwaltung, Verkehrsplanung oder Infrastruktur.
Amtliche Statistik umfasst alle systematischen, staatlich legitimierten Erhebungen, die der Beschreibung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und sozialer Verhältnisse dienen. Sie ist rechtlich, organisatorisch und methodisch verbindlich geregelt und folgt klar definierten Qualitätsstandards. Zu ihren Kernaufgaben gehören die Datensammlung, die Datenverarbeitung und -aufbereitung sowie die Datenpublikation. Darüber hinaus gewährleistet sie durch standardisierte Klassifikationen, Erhebungsverfahren und Dokumentationen die methodische Sicherung und Vergleichbarkeit der Ergebnisse über Zeit, Regionen und Themenbereiche hinweg.
Die amtliche Statistik entsteht durch ein mehrstufiges Zusammenspiel von Erhebung, Meldung und Verarbeitung, das von der lokalen bis zur nationalen Ebene reicht. Kommunen fungieren dabei häufig als Grundversorger administrativer Basisdaten, während Landesstellen diese regional differenzieren und aufbereiten. Bundesbehörden sind insbesondere für die gesamtstaatliche Harmonisierung und überregionale Vergleichbarkeit zuständig. Die Daten werden, soweit erforderlich, stufenweise nach oben gemeldet und fließen in nationale Berichte sowie in internationale Berichtssysteme, insbesondere auf europäischer Ebene, ein. Da die Daten nicht eigens für ein konkretes Forschungsvorhaben, sondern ursprünglich für administrative oder institutionelle Zwecke erhoben werden, spricht man bei ihrer späteren Nutzung von Sekundärdaten.
| Ebene | Funktion im Statistiksystem | Datenerhebende Stelle | Berichtet an |
|---|---|---|---|
| Bund | Koordination, Harmonisierung, gesamtstaatliche Auswertung | Nationale Statistikbehörde | Bund, EU (Eurostat), internationale Organisationen |
| Länder | Regionale Durchführung und Aufbereitung amtlicher Statistik | Landesstatistikstellen / Landesämter | Nationale Statistikbehörde, Landesregierung |
| Mittlere Ebene | Verwaltungsebene, Datenlieferant und Aggregationseinheit | Verwaltungsstellen (z. B. Kreise/Bezirke) | Landesstatistikstellen |
| Gemeinden | Basisdaten aus Melderegistern und Verwaltung | Kommunalverwaltungen | Landesstatistikstellen |
Statistik Austria (AT)
Statistisches Bundesamt (DE)
Landesstatistik
Burgenland
Landesstatistik
Kärnten
Landesstatistik
Niederösterreich
Landesstatistik Oberösterreich
Landesstatistik
Salzburg
Landesstatistik
Steiermark
Landesstatistik
Tirol
Landesstatistik
Vorarlberg
Statistisches Amt der Stadt
Wien
Statistisches Landesamt
Baden-Württemberg
Bayerisches Landesamt für
Statistik
Amt für Statistik
Berlin-Brandenburg
Statistisches Landesamt
Bremen
Statistisches Amt für Hamburg
und Schleswig-Holstein
Hessisches Statistisches
Landesamt
Statistisches Amt
Mecklenburg-Vorpommern
Landesamt für Statistik
Niedersachsen
Landesbetrieb Information und Technik
Nordrhein-Westfalen
Statistisches Landesamt
Rheinland-Pfalz
Statistisches Amt
Saarland
Statistisches Landesamt des
Freistaates Sachsen
Statistisches
Landesamt Sachsen-Anhalt
Thüringer Landesamt für
Statistik
Amtliche Sekundärdaten bilden die zentrale Grundlage der Regionalanalyse. Ihre Verfügbarkeit und Aussagekraft variieren systematisch nach dem gewählten Aggregationsniveau. Auf Bundesebene stehen standardisierte makroökonomische und gesamtgesellschaftliche Kennzahlen zur Verfügung, die international vergleichbar sind, jedoch keine kleinräumige Differenzierung erlauben. Die Landesebene ermöglicht interregionale Vergleiche innerhalb eines Staates, bleibt jedoch hinsichtlich innerregionaler Unterschiede relativ grob. Die mittlere Kreis- bzw. Bezirksebene stellt häufig den analytischen Schwerpunkt dar, da hier zahlreiche sozioökonomische Kennzahlen verfügbar sind und zugleich Datenschutz, statistische Stabilität und funktionale Räume besser berücksichtigt werden. Die Gemeindeebene erlaubt zwar die größte territoriale Differenzierung, ist jedoch aufgrund geringer Fallzahlen und struktureller Besonderheiten anfälliger für Verzerrungen.
Da Sekundärdaten häufig als Absolutwerte vorliegen, ist die Indikatorbildung ein zentraler methodischer Schritt. Durch Pro-Kopf-Werte, Quoten oder Anteile werden Daten standardisiert und vergleichbar gemacht, etwa Beschäftigte je 1 000 Einwohner oder Ausgaben je Einwohner. Die Aussagekraft solcher Indikatoren hängt jedoch maßgeblich von der gewählten räumlichen Ebene ab. Zudem sind Indikatoren theoretisch fundierte Konstruktionen, keine neutralen Abbilder der Realität; Definition, Bezugsgröße und räumliche Abgrenzung müssen daher transparent dokumentiert werden, um valide regionale Vergleiche zu gewährleisten.
Das Statistik Austria Datenportal StatCube in Österreich und das Gemeinsame neue statistische Informationssystem GENESIS in Deutschland sind zentrale Datenbereitstellungs- und Auswertungssysteme der amtlichen Statistik. Beide Systeme dienen der strukturierten Veröffentlichung, Archivierung und nutzerorientierten Bereitstellung der amtlichen Daten; sie sind keine eigenständigen Erhebungsstellen, sondern Teil der Publikations- und Distributionsinfrastruktur der jeweiligen nationalen Statistikbehörden.
Funktional übernehmen StatCube und GENESIS vergleichbare Aufgaben. Beide Systeme ermöglichen die tabellarische Abfrage von Daten nach Themen, Regionen und Zeiträumen, bieten Downloadmöglichkeiten in verschiedenen Formaten und stellen Metadaten, Klassifikationen sowie methodische Hinweise zur Verfügung. Sie unterstützen Zeitreihenanalysen, regionale Differenzierungen und thematische Filterungen und liefern standardisierte Tabellenstrukturen. Beide Systeme bilden die zentrale Schnittstelle zwischen amtlicher Statistik und ihren Nutzerinnen und Nutzern in Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.
In Österreich können Daten auf Kommunal- und Bezirksebene über StatCube direkt bei Statistik Austria abgerufen werden. Für Deutschland sind Daten auf Kommunal- bzw. Kreisebene über die GENESIS-Implementierungen der jeweiligen Statistischen Landesämter verfügbar, beispielsweise über das GENESIS des Bayerischen Landesamtes für Statistik oder das GENESIS des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg.
Neben diesen zentralen Auskunftssystemen können kleinräumige Daten häufig auch über die Webangebote der Bezirke, Kreise und Kommunen bezogen werden, etwa über die Statistikseiten der Stadt Innsbruck, der Gemeinde Thaur, des Marktes Garmisch-Partenkirchen oder des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. Darüber hinaus verweisen auch Drittanbieter auf weiterführende Datenquellen, beispielsweise die WKO.
| Endung | Bedeutung | Typische Nutzung |
|---|---|---|
| r | mehrere Regionen | Regionalvergleich |
| s | eine Region | Detailanalyse |
| z | Zeitreihe | Trendanalyse |
| D | Download-/Dynamikversion | API / größere Abzüge |